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Wie bestraft man Gutmenschen? - Die Folge einer Entgleisung bei WWF und Oxfam auf der Klimakonferenz

Autor: 
Wolfgang Müller

Ein Kommentar über die Folgen mangelnden Respekts  

Heute begann in Bonn eine weitere internationale Klimakonferenz der Vereinten Nationen (UN) zur Vorbereitung des Klimagipfels in Cancún, Mexiko, Ende November diesen Jahres. Was heute um 10 Uhr morgens mit den üblichen Stellungnahmen der Delegierten über die Notwendigkeit den Klimawandel zu bremsen begann, sollte später zu einem völlig anderen Thema wechseln. Denn zur Diskussion stand, inwieweit der World Wide Fund For Nature (WWF) und Oxfam für eine politisch motivierte Beschädigung von UN-Eigentum zur Rechenschaft gezogen werden solle.

Im Rahmen der vorigen UN-Klimakonferenz in Bonn im Juni hatten Vertreter beider Organisationen das offizielle Namensschild der Delegation Saudi-Arabiens entwendet, zerbrochen, in eine Toilette geworfen und dort fotografiert. Kopien der Fotos wurden unter den Teilnehmern der Konferenz verteilt. Es dürfte nicht überraschen, dass der Begleittext zum Foto Saudi-Arabien als unkooperativ abstempelte.

Das Sekretariat der Vereinten Nationen untersuchte den Vorfall und betrachtete es als erwiesen, dass Mitglieder der oben genannten Umweltgruppen für den Vorfall verantwortlich waren. Die neue Chefbeauftragte des UN-Sekretariats für Klimarahmenkonventionen (UNFCCC), Christiana Figueres, erklärte den Abgeordneten, das Sekretariat hätte entschieden, die Vorfälle aufgrund ihrer Schwere zu ahnden. Es wurde beschlossen, einen der Verantwortlichen von allen zukünftigen UNFCCC Konferenzen und zwei weitere Umweltaktivisten von weiteren Konferenzen diesen Jahres auszuschließen. Zusätzlich dürften sowohl Oxfam als auch WWF nur jeweils 3 Mitglieder für die kommende Klimakonferenz im Oktober akkreditieren. Im Klartext bedeutet dies, dass beide Organisationen nur für einen weniger wichtigen Event Einschränkungen in Kauf hätten nehmen müssen. Zur diesjährigen Hauptkonferenz in Cancún - der Nachfolgekonferenz von Kopenhagen - könnten sie wieder in voller Stärke antreten.

Nach der Stellungnahme der Chefbeauftragten Christiana Figueres drückten viele der Delegierten ihren Unmut über die moderaten Sanktionen aus, da WWF und Oxfam bereits wegen anderer Verstösse in Bali und Kopenhagen verwarnt wurden. Viele Delegierte forderten härtere Sanktionen, einschließlich des kompletten Ausschlusses der beiden Organisationen von allen künftigen UNFCCC Veranstaltungen. Sofern eine UN-Konferenz dazu in der Lage ist, Spannung aufzubauen, so kam es zu einem Höhepunkt, nachdem sich die Vorsitzende des WWF und ein Vertreter von Oxfam öffentlich entschuldigt hatten und der saudi-arabische Abgeordnete erklärte: „Nachdem wir diese klaren Entschuldigungen gehört haben, wollen wir nicht, dass weitere Maßnahmen ihnen gegenüber getroffen werden“. Er fügte hinzu, man „würde die Sache gerne als abgeschlossen betrachten“. Ausnahmsweise begannen alle Anwesenden zu applaudieren.

Dies war ein ausdrücklich positives Ende eines Zwischenfalls, der zu einer Debatte über die Rolle der Zivilgesellschaft führte. Die Delegierten äußerten sich über die Notwendigkeit abweichenden Meinungen Raum zu geben und unterschiedliche Ansichten zu respektieren. Hervorzuheben ist der Satz des saudi-arabischen Delegierten über die Aktion von WWF und Oxfam „solche Praktiken gehören ins 19. Jahrhundert, nicht jedoch in unser Zeitalter“.

Die gegenwärtige UN-Klimakonferenz findet von Montag, 2. August bis Freitag, 6. August 2010 im Hotel Maritim in Bonn statt und kann live auch im Internet verfolgt werden unter http://unfccc.int/virtual_participation/items/5678.php

Das Berlin Manhattan Institut lädt zusammen mit EIKE und CFACT Delegierte, Beobachter und Pressevertreter für Donnerstag, 5. August, 11.00 Uhr zu einer Pressekonferenz mit den Professoren Erich Weede (Universität Bonn) und Friedrich-Karl Ewert (Universität Paderborn) ein.