Teile der CDU scheinen immer mehr von ihren bürgerlichen Wurzeln abzurücken, allen voran die so genannte „Pizza Connection“, eine Gruppe grüner Christdemokraten, und ein konservativer Flügel des Bündnis 90 / die Grünen. Sinnbildlich dafür sind die Treffen der beiden Parteiflügel im Berliner Restaurant „Le Cochon Bourgois“, oder auf deutsch, „das bürgerliche Schwein“.

Einer der erfolgreichsten Sprösslinge dieser „Pizza Connection“ ist, neben Kanzleramtschef Roland Pofolla, der gegenwärtige Umweltminister Norbert Röttgen, der in letzter Zeit mehrere Male mit seinen Äußerungen alles von Verwunderung über Kopfschütteln bis Ärger unter seinen Parteifreunden, aber auch beim Koalitionspartner FDP hervorgerufen hat.

So stand seine Aussage vom Februar, an dem von der Rot-grünen Koalition beschlossenen Atomausstieg festzuhalten, im Konflikt zu den Aussagen des Koalitionsvertrages von CDU, CSU und FDP, der eine Laufzeitverlängerung vorsieht, bis auf andere Energieträger umgestellt werden kann.

Nun aber überraschte Röttgen letzte Woche auf einem Gipfeltreffen mit seinem Amtskollegen in Washington mit dem Vorstoß, Europa, und allen voran Frankreich, Großbritannien und Deutschland, müssten eine Führerrolle übernehmen, und schlug ein verbindliches CO2-Reduzierungsziel von 30% anstatt 20% bis 2020 im im Vergleich zu 1990 vor – obwohl auf der Seite des Bundesministeriums für Umwelt sogar eine 40% Reduzierung von Treibhausgasemissionen gesprochen wird.

Bei näherer Betrachtung stehen diese beiden Aussagen – verfrühter Atomausstieg und höhere Reduzierungsziele – in eklatantem Widerspruch: denn anders als Großbritannien beschäftigt der Sekundärsektor in Deutschland noch knappe 25% der Arbeitnehmer, und anders als Deutschland bezieht Frankreich knappe 78% seiner Strom- und 17% seiner Gesamtenergieversorgung aus Atomstrom, welcher, im Vergleich zu zum Beispiel Solarstrom, nur etwa ein Drittel an CO  produziert.

Aber unser Umweltminister scheint sich nun auch das Amt des Wirtschaftsministers zuzutrauen: so ließ Röttgen dann in einem FAZ verlauten, die Rezession dürfe uns nicht von der Frage ablenken, „welche Art von Wirtschaft wir denn eigentlich aufbauen möchten“, was ja an sich im Einklang mit seiner Aussage bei Maybrit Illners Talkrunde stand, er sei „auch nicht für Kapitalismus“, um sich dann später die Sprengkraft seiner Aussage bewusst zu werden und dann korrigierend eine „soziale Marktwirtschaft“ forderte. Vielleicht hätte ihm der anwesende Präsident des ifo-Institutes Hans-Werner Sinn den Unterschied zwischen Markt- und Planwirtschaft erklären können, denn ein von oben gesteuerter Übergang zu einer „Low Carbon Economy“ hat nicht viel von marktwirtschaftlichen Instrumenten – von Wirksamkeit einer CO2-armen Wirtschaftsstruktur auf den Klimawandels einmal ganz abgesehen.

Und so schließt sich Röttgen immer mehr der Forderung der Bündnisgrünen an, die gerade erst nach – ganz im Sinne Karl Polanyis – nach einer „Großen Transformation“ gerufen haben, quasi einer „Green New Deal“, um die Wirtschaft „ergrünen“ zu lassen.

Denn auch nach einem gescheiterten Machtprojekt wie in der Freistadt Hamburg muss sich die CDU alle Optionen für die nächste Bundeswahl offenhalten – und wer wäre ein besserer Kronprinz für eine Schwarz-grüne Kanzlerschaft als Norbert Röttgen?